Grußwort anlässlich der Eröffnung der 35. Kinder- und Jugendbuchwochen, Deutsche Zentralbücherei Apenrade

Sehr geehrter Frau Knauer,

sehr geehrter Herr Asmussen,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Andresen,

sehr geehrter Herr Rodewald,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus dem Büchereiwesen, den Schulen und Vereinen nördlich und südlich der deutsch-dänischen Grenze,

liebe Schülerinnen und Schüler,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, heute bei Ihnen im Haus Nordschleswig, in der deutschen Zentralbücherei, zu Gast zu sein. Die diesjährige Kinder- und Jugendbuchwoche feiert ein Jubiläum. Zum 35. Mal dreht sich heute alles um das Lesen und das Erwachsenwerden mit Büchern.

Dass die Eröffnung der Kinder- und Jugendbuchwochen heute hier in Apenrade, in der zentralen Bücherei der deutschen Nordschleswiger stattfindet, freut mich besonders.

Bücher kennen keine Grenzen, im Gegenteil – sie überwinden Grenzen. „GrenzGenial“ heißt deshalb auch das Motto, das Schülerinnen und Schüler aus den deutschen Schulen in Nordschleswig eindrucksvoll mit Leben gefüllt haben.

 

Liebe Schülerinnen und Schüler,

Ihr habt das Glück, in einer ganz besonderen Gemeinschaft aufzuwachsen. Ihr lebt und lernt in einer Minderheit, die eine besondere kulturelle Identität pflegt und ihr lebt und lernt gleichzeitig in und mit der dänischen Mehrheitsgesellschaft hier in Nordschleswig.

Ihr lebt und lernt zwei Sprachen – mindestens! – und Ihr profitiert von allen Kulturen, die hier in Region nördlich und auch südlich der deutsch-dänischen Grenze zu finden sind. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes „grenzGenial“ und ein Vorbild für andere Regionen und vor allem andere Grenzregionen Europas.

Die Kinder- und Jugendbuchwachen feiern in diesem Jahr ihr 35. Jubiläum. Vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg, die blutige „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts und in zwei Jahren begehen Deutsche und Dänen den 100. Jahrestag der Grenzziehung von 1920. Für die meisten Menschen sind die beiden zuletzt genannten historischen Ereignisse weit weg.

Und doch spielen Kriege und auch Grenzziehungen auch heute noch eine Rolle; ein Blick in die Welt zeigt uns, dass Nationalismus, Hass und der Wille zu gewaltsamen Grenzveränderungen leider nicht aus der Welt verschwunden sind.

Aber was – diese Frage stellen gerade viele junge Menschen in Europa – können wir tun?

Eine ganze Menge und Bücher und Leselust spielen dabei eine wichtige Rolle. Bücher sind Zugänge zu wichtigen Fragen des Lebens und sie sind wichtige Zugänge zur Vergangenheit. Wer liest, der erweitert seinen Horizont und der erschließt sich Welten – Welten der Fantasie ebenso, wie die Wirklichkeit.

Um den großen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen, brauchen wir und braucht vor allem die zukünftige Generation nicht nur Kompetenzen und Fachwissen, sie braucht vor allem Ideen, sie braucht Vorstellungen von einer besseren Zukunft sowie den Mut und die Kreativität, um Grenzen abzubauen, damit diese Zukunft Wirklichkeit wird.

Wer erst einmal erfahren hat, wie es ist, ein Buch zu öffnen und zu lesen, der wird auch andere Menschen und andere Kulturen ganz selbstverständlich an sich heranlassen, der wird sich öffnen und sich auf das Andere einlassen.

Wer wiederum von früh an, wie die Schülerinnen und Schüler der deutschen Schulen in Nordschleswig – und ich ergänze: wie die Schülerinnen und Schüler der dänischen Schulen in Südschleswig, zu denen ich gehört habe – gewohnt ist, in zwei Sprachen zu sprechen, zu denken und auch zu fühlen, der ist besonders gut gerüstet für die Zukunft.

Ihr seht, liebe Schülerinnen und Schüler,

Ihr habt ganz besonders gute Bedingungen, Eure Zukunft und die Zukunft Eurer Gesellschaft zu gestalten.

Was heute hier in Apenrade stattfindet, das passiert heute und in den nächsten Wochen in vielen Büchereien in Deutschland und Dänemark auch: Lesungen, Workshops, Theateraufführungen und Musik für rund 15.000 Kinder und Jugendlichen stehen auf dem Programm.

Aber wichtiger noch als jedes Programm ist das, was uns Bücher jeden Tag wieder schenken: Bücher verleihen Flügel, sie eröffnen Welten, sie stiften Freundschaften, sie machen klug, sie trösten, sie lassen uns mitfühlen, sie reißen Mauern ein und sie überwinden Grenzen – einfach genial.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle allen Danken, die junge Menschen an Bücher heranführen: Allen Eltern, allen Lehrerinnen und Lehrern, allen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren. Ein herzliches Dankeschön auch an den Kinderchor Nordschleswig und seine Leiterin Susanne Heigold für den musikalischen Beitrag.

Den Kinder- und Jugendwochen, die ich nun ganz offizielle zum 35. Male eröffne, wünsche ich gutes Gelingen und viel Lesespaß!

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