Grußwort anlässlich der Ausstellungseröffnung „Ansichten – Einsichten. Menschen(un)würde auf der Flucht“

Sehr geehrter Herr Beauftragter Schmidt,

sehr geehrte Frau von Hänisch,

sehr geehrte Frau Kirsch,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie alle sehr herzlich hier im Landeshaus zu einer ganz besonderen Ausstellungseröffnung. Immer wieder stellt sich in diesem Haus die Frage, wo die Berührungspunkte zwischen Kunst und Politik liegen.

Ich bin der Überzeugung, dass diese Ausstellung ein guter Beleg dafür ist wie politisch Kunst sein kann.

Kaum ein anderer Artikel unseres Grundgesetzes wird wohl so oft zitiert, wie der erste:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Ein Satz, auf der nicht nur unsere Verfassung ruht, sondern der die Menschheit insgesamt trägt: denn erst der Respekt des Menschen vor dem Mitmenschen, also die Anerkennung seiner Würde, macht die Menschheit zur Menschheit.

Kann man aber diese Würde sichtbar machen, kann man ihr einen Ausdruck verleihen? Natürlich wird Menschenwürde in erster Linie daran sichtbar, ob sie respektiert wird, oder nicht. Nur dort, wo Menschen vor Ausbeutung, Verfolgung, Demütigung, Diskriminierung und Ungerechtigkeit geschützt werden, wird Menschenwürde auch gelebt.

Menschenwürde aber wird – leider – auch gerade dort spürbar, wo sie nicht respektiert wird, wo sie mit Füßen getreten wird.

Hunderttausende von Menschen müssen das täglich erfahren. Einige von Ihnen wagen die Flucht, sie begeben sich auf einen gefährlichen Weg zu uns nach Europa.

Diese Menschen, die zu uns kommen, kommen als Schutzsuchende. Wir vergessen über diesen gewiss zutreffenden Begriff aber oft, dass uns diese Menschen auch eine wichtige Botschaft überbringen.

Wir, die wir Vieles in unserer Gesellschaft als Selbstverständlich hinnehmen, müssen uns die Geschichten, die die geflüchteten Menschen uns zu erzählen haben, anhören, damit wir wieder ein ums andere Mal erkennen, das Menschenwürde aktiv gelebt und verteidigt werden muss, um der grundlegende Wert unseres Miteinanders zu bleiben.

Und auch wir müssen uns fragen wie wir unserem Anspruch an Artikel 1 des Grundgesetzes gerecht werden können.

Gerade am heutigen Tag, an dem ich, persönlich, mit viel Scham nach Berlin blicke.

Lassen Sie mich ehrlich sein:

Mich macht die erneute Aussetzung des Familiennachzugs fassungslos.

Wie sollen sich Menschen integrieren können, wenn Sie Angst um ihre Familien haben müssen?

Wie können wir die heutigen Beschlüsse zur Aussetzung des Familiennachzugs mit Artikel 1 GG überein bringen?

Ich verstehe es nicht.

Um so besser, dass wir mit dieser Ausstellung ein Zeichen setzen.

Kunst verbindet – unabhängig von Sprache und Herkunft.

Auf mich jedenfalls wirken diese Arbeiten von geflüchteten Menschen als aufrüttelnde Angebote, eine wichtige Geschichte zu hören, als Ausdruck der Hoffnung auf eine bessere Zukunft und auch als Appell an uns, dass die Menschenwürde immer der Maßstab unseres Handeln sein möge.

Ich kann mir deshalb, wie ich eingangs sagt, keine geeignetere Kunstausstellung im Landeshaus – in einem demokratischen Parlament-vorstellen, als eben diese, die „Einsichten“ durch „Ansichten“ vermittelt.

Bilder der Angst, der Flucht und auch des Todes und zugleich auch Bilder der Hoffnung und der Würde.

Ich wünsche dieser Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher! Den Künstlerinnen und Künstler wünsche ich ganz viel Resonanz auf Ihre Werke. Die Arbeit ist vielen gewiss nicht immer leicht gefallen. Dass Sie den Mut hatten, sich mit der Malerei auf ein völlig neues Gebiet zu wagen, das verdient unseren Respekt.

Ich bedanke mich bei Ihnen dafür, dass Sie diesen Schritt gewagt haben, uns allen Ihre Geschichten auf diese Art zu erzählen uns sich zu öffnen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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